Wanja Slavin jazzte mutig

Der Verzicht auf ein Klavier oder eine Gitarre als stützendes Akkordinstrument ist im Jazz nichts Neues. Doch wie die heutige Generation mit dieser seit den fünfziger Jahren bestehenden Tradition umgeht, stellte das Wanja Slavin Quartett am Mittwochabend in der Medienwerkstatt eindrucksvoll vor. Dabei sind Philipp Gropper, Wanja Slavin, Paulo Cardoso und Christian Lillinger eine recht eigentümliche Formation. Weder viele Worte bei der Begrüßung noch großes Aufheben um die Entstehung der eigenen Kompositionen machte das Quartett. Begleitet vom Applaus betraten die vier Musiker die Bühne, griffen zu Tenorsaxophon, Altklarinette, Kontrabass und Sticks, prüften sie, stimmten nach und schließlich an. Über einem lässigen Dreiertakt spannten Wanja Slavin und Philipp Gropper mal spitz zulaufende, mal elegant geschwungene Melodiebögen. Mit zarten Tupfern begleitete sie Paulo Cardoso am Kontrabass und Christian Lillinger breitete mit seinem Schlagzeug einen spannungsreich prasselnden Rhythmusteppich aus. So sehr das Spiel des Ensembles das aufmerksam lauschende Publikum gewann, um so ungewöhnlicher lauteten die einzelnen Titel. Nur dem Namen nach. Denn während Wanja Slavin beispielsweise seine „12“, „21“ oder „Nr. 9“ nur ankündigte, gaben Paulo Cardosos Stücke einen klareren Hinweis für deren Entstehung preis. Allerdings auf Englisch. Das fein gesponnene Liebeslied „Distant as a Milkyway“ über eine nahestehende ferne Person oder das mit einem ergreifenden Kontrabasssolo beginnende „Old Prayer“ für einen langjährigen Musikerkollegen bestachen mit ruhiger, ja großzügig angelegter Klangschönheit. Ein guter Kontrapunkt zu den spritzigen Tonläufen und -sprüngen aus der Feder Slavins. Die konzentrierte Stille und geteilte Freude beim Hören erregten. Das Quartett, wurde deutlich, geht lieber eigene Wege als Vorbildern hinterher zu laufen.
(U. Rossner, Ostsee-Zeitung)