Quartett brachte neue Spielweise mit

Die Botschaft kam an: Jazzer können auch morsen. Mit dieser musikalisch verblüffenden Novität zog das Berliner „Gustav wie Gasthof“ Quartett am Donnerstagabend seine Zuhörer im Lesesaal des Koeppenhauses in den Bann.
Altsaxophonist und Komponist Benjamin Weidekamp (ehemals Olaf Ton) gestand dem gut gefüllten Saal: „Eigentlich kann ich gar nicht morsen.“ Vor zwei Jahren gab das Klopfen seiner Hände auf den Tisch in einer Eisdiele den Anstoß für eine im Jazz bislang eher unbekannte Spielart. Töne werden nicht allein nur in einer festen Reihenfolge gespielt, wiederholt oder verarbeitet, sondern auch in das Morsealphabet übersetzt. Daraus besteht das Material für Stücke wie „Nomen est Omen“ oder „Seriell, nicht seriös…“.
Über dem treibenden Groove des Schlagzeugers Christian Marien entspannten Ronny Graupe auf seiner schwarzen halbakustischen Gitarre und die beiden Bläser Benjamin Weidekamp und Uli Kempendorff (Saxophon, Klarinette) verblüffende und packende Klanglandschaften, bestehend aus gehauchten, dröhnend aufgeblasenen oder gezupften Tönen der Namen der einzelnen Quartettmitglieder.

Greifswald, Foto: R. Schulz

Nach der ersten Kostprobe schien dieser Ansatz allerdings nicht als eine Eintagsfliege erschöpft. Selbst der analysierte Klang eines einmal angeschlagenen Gongs kann einen Anreiz für ein paar neue Töne bieten. Auch wenn die Musik gut ins Ohr und der Rhythmus in den Körper ging, bedurfte es hin und wieder einzelner Erläuterungen. Dies allerdings nur, um zu erklären, worauf sich die vier Musiker spielend beziehen. Natürlich immer mit einer guten Portion Humor. Dem Publikum gefiel es.
(Uwe Roßner, Ostsee-Zeitung, 20.08.2011)

Fotos vom Konzert bei Flickr …