Kopf- und Herzmusik – Der erste Abend der 31. Eldenaer Jazz Evenings

Der Eröffnungsabend der 31. Eldenaer Jazz Evenings war, maritim frisch, den jüngeren Vertretern des zeitgenössischen Jazz vorbehalten. Das Line-Up enthielt eine dramaturgische Steigerung, die in den Schweizern von Rusconi zweifellos ihren Höhepunkt fand. Das Old York Trio gab mit einem eher kammermusikalischen Sound einen lockeren, luftigen Auftakt und das Trio von Marc Perrenoud bot einen vertrauten, soliden aber jederzeit kreativen und intelligenten Pianojazz, jenseits vom belanglosen „Verbraten“ von Standards – Musik für Kopf und Herz.
Wer dann weiter durchhielt wurde mit einem großartigen Konzerterlebnis nach Hause geschickt. Rusconi präsentierten kein Klaviertrio-Einerlei, sondern entwarfen ihren eigenen Mix aus klaren Strukturen, eruptiven Brüchen, präpariertem Instrumentarium und Klangmalerei aber leicht verdaulich und ziemlich nah am Pop. Irgendwie bekam man zunehmend den Eindruck, Rusconi wollen sich unbedingt aus der „Schublade“ Jazz befreien. Ihre Auseinandersetzung mit dem Schaffen Sonic Youth’s mündete in einen Klang, der tatsächlich mehr mit Rock und Noise zu tun hatte, als mit den üblichen Spielweisen diverser Klaviertrios – Grölen inklusive! Dadurch offenbarten sie ihre musikalische Unabhängigkeit und machten ihren Status als zeitgenössische Exponenten des Jazz deutlich.

EJE 2011 Rusconi

Neben druckvollen Stücken entwickelte das Trio gleichwohl einen unbeschreiblichen musikalischen Sog und verwandelte sich letztlich völlig zur Herzmusik – affektreich aber ohne triefendes Pathos. Danke für diesen Abend!
(Stan Klifoth, Juli 2011)