Borchert / Conquest / Snekkestad

Mit ihrem Trio Borchert / Conquest / Snekkestad demonstriert Johanna Borchert die Fähigkeit, ein Gemenge unterschiedlicher musikalischer Vorlieben zu verbinden. Dabei wird sie unterstützt von The Norman Conquest, verantwortlich für sehr wundersame elektronische Klangfarben und dem Saxophonisten Torben Snekkestad. Dieses internationale Ensemble lässt dabei Free-Elemente und avantgardistische Einflüsse von Cage und Ligeti erkennbar werden, was nicht als direkte Referenz verstanden werden soll. Das Ganze lässt sich zum Glück nicht in klare Worte fassen – mit Schablonenmusik hat diese Musik ohnehin nichts zu tun. Hier geht es mehr um Stimmungen. Der Begriff Jazz muss ja heutzutage sowieso für alles herhalten was nicht klar einzuordnen ist, darum werde ich dem jetzt ganz unkreativ folgen. Es ist zumindest naheliegend hier von Jazz zu sprechen, auch wenn ich nicht klar sagen kann, wie groß hier Kalkül und Improvisationsanteil sind.
Die Klangwelt des Trios ist in der Hauptsache angenehm befremdend. Mit Everytime We Say Goodbye bewegt sich das Trio zunächst noch in recht ruhigem Fahrwasser. Hier erklingen leicht raue Töne vom Piano, Snekkestads Klarinette singt grübelnd darüber. Die anfänglich dunklen Töne werden behutsam mit farbigeren Klängen angereichert.
Doch es geht auch anders: Im Titel Wankelrhythmus wird es unruhig, Borchert treibt das Stück voran, elektronische Fetzen mischen sich mit ein. Mit Einsatz des Snekkestads löst sich das Geschehen rhythmisch auf. Was bleibt ist ein treibender, stets unterbrochener Puls mit einem nun sehr hektischen, überreizten Saxophon. In ähnlicher Art und Weise sind auch die weiteren Stücke angelegt.
Das Trio verzichtet häufig auf klare Grundformen. Alles klingt irgendwie schräg aber dennoch abenteuerlustig. Es entstehen Klangskulpturen die irgendwo zwischen Struktur und Experiment liegen. Die Kompositionen haben alle etwas leicht Bedrohliches, sind fiebrig und erzeugen aufreibende Bilder. Für mich persönlich könnten sie aber etwas länger sein. Immer wenn ein Stück vorbei ist, habe ich den Eindruck nur einen Anfang zu hören, nur vage zu ahnen, was es sagen will und wie es weitergeht. Ein schöner Trip! (Stan Klifoth, April 2010)

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Johanna Borchert