Berliner Trio begeisterte im Koeppenhaus

Es funktioniert. Sogar hervorragend. Wer bislang meinte, eine Jazzcombo brauche Harmonieinstrumente und eine Rhythmusgruppe, der wurde am Sonnabend im Koeppenhaus eines Besseren belehrt. Das Berliner Trio „So Weiss“ versprach vorab eine Verzauberung jenseits aller Jazzmoden. Was allerdings die bestehende Verschmelzung von gepflegter Improvisation mit Pop angeht, so liegt das Ensemble voll im Mainstream.
„So Weiss“ sticht dennoch heraus. Die Mischung aus sorgfältig eingesetzten Stimmen, eingängigen Klängen und geerdetem Songwriting macht den Unterschied. Letzteres umfasst Stimmungsbilder in Beziehungen oder Situationen. Besungen wird der lange Wintermonat Januar, die stehende Hitze im Hochsommer in einer U-Bahn oder Forderungskataloge an ein geliebtes Gegenüber. Spannend fügen sich der Kontrabassgroove von Roland Fidezius mit der variablen Stimme von Kristiina Tuomi und dem von Lied zu Lied sich abwechselnden Spiel Susanne Folks auf Saxofon und Klarinette zusammen. Letztere schmiegt sich unisono an den Gesang an oder greift als dezente Verstärkung selbst zum Mikrofon. Als Unplugged-Version präsentierte die Band den Ohrwurm „Lullaby“ von The Cure aus dem Jahre 1989. Anstelle der auf der E-Gitarre gezupften Erkennungsmelodie stimmte Susanne Folk sie mit einem warmen Ton auf dem Saxofon an, bevor Tuomi in ihr Lieblingslied einstieg.

Neben Pop und Walzer-Seligkeit gehört auch ein Schuss Country zu den Spielfeldern von „So Weiss“. Und dann gelingt beim Abschiednehmen eine zarte Kostbarkeit: Mit „Happiness for a moment“ berühren und beglücken Tuomi und Fidezius das Publikum im gut besuchten Saal des Koeppenhauses.
(U. Rossner, Ostsee-Zeitung, 27.02.2012)