Johanna Borchert triumphierte vor Greifswalder Publikum mit neuen Tonnuancen
Es war ihr Solodebüt. Mit ihren Bands Schneeweiß & Rosenrot, Little Red Suitcase oder dem Trio Borchert/Conquest/ Snek- kestadt hatte Johanna Borchert in Greifswald bereits im Rampenlicht gestanden. Dienstagabend erspielte sich die in Berlin lebende Sängerin und Pianistin nun die ungeteilte Aufmerksamkeit der Jazzliebhaber in der Medienwerkstatt des Caspar-David-Friedrich-Instituts der hiesigen Uni. Zugleich war es das erste Konzert der Reihe Jazz in Greifswald in diesem Jahr, das eine gute Resonanz erfuhr.
Johanna Borchert, Jahrgang 1983, machte kein großes Aufheben um sich und diesen Abend. Sie setzte sich lieber auf den Klavierhocker, richtete sich das Mikrofon ein, fixierte den Blick und erzeugte dann mit ihren Fingern im tiefen Register des Flügels eine vibrierende Klangwolke, die auf einen Ton in der Mittellage auf den Punkt kam und sich zur lyrischen Begleitung ihrer Stimme ausformte. Johanna Borchert präsentierte an diesem Abend ihre gewinnende sängerische und pianistische Vielseitigkeit. Ihren kraftvollen Anschlag verwandelte sie nicht allein in ein zartes Glöckchenspiel in hoher Lage. Den Flügel präparierte Johanna Borchert als ein eindrucksvolles Schlaginstrument, dessen Klang die menschliche Stimme imitieren konnte – dank der zwischen die Saiten platzierten Stäbchen. Mit diesen neuen Tonnuancen übertraf sie selbst Leszek Mozdzers Kühnheiten auf den schwarzen und weißen Tasten, der damit im November während seines Komeda-Programms mit Klangexperimenten aufhorchen ließ.

Im Geiste des Kunstliedes des 19. Jahrhunderts vertonte Borchert Gedichte von Rilke und Morgenstern, flocht ein indisches Schlaflied dazwischen und gab augenzwinkernd in tiefer Stimmlage Sinatras Klassiker „My Way“. Als Komponistin scheut sie auch nicht mehrsprachige Ausflüge in den gepflegten Jazzpop oder andere Stile. Der Saal goutierte dies mit viel Applaus und erhielt als Gegendank zwei Zugaben.
(U. Rossner, Ostsee-Zeitung, 26.01.2012)






Albatrosh
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